Bundesbank-Präsident Joachim Nagel will die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Asien ausbauen, aber auf mehr Partner verteilen. Die Beziehungen zu China müsse Europa widerstandsfähiger machen und stärker streuen, zugleich solle es mit mehr asiatischen Ländern regelbasiert zusammenarbeiten. Das sagte Nagel am Samstag bei einem Empfang der DZ Bank in Bangkok.
Bundesbank-Präsident warnt vor China-Abhängigkeit

Das Wichtigste auf einen Blick
- Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sprach sich am Samstag in Bangkok dafür aus, die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Europa und Asien zu vertiefen und breiter aufzustellen.
- China sei einer der wichtigsten, aber auch komplexesten Handelspartner Europas; bei kritischen Importen stelle das Land einen Risikofaktor dar, sagte Nagel.
- Um wettbewerbsfähiger zu werden, brauche Europa bessere Infrastruktur samt Rechenzentren für KI, mehr Risikokapital und unverzichtbare Rollen in globalen Lieferketten.
China als Partner und Risikofaktor
Grundlage für mehr Wohlstand seien offene Märkte und gemeinsame Regeln, sagte Nagel in seiner Rede. Diese Spielregeln stellten einige wichtige Akteure derzeit infrage. Den Handel zwischen der EU und Asien beschrieb er als zweigeteilt: Seit 2019 seien die Exporte nach China weitgehend stabil geblieben, die Importe aus China dagegen merklich gestiegen. Deutlich gewachsen sei dagegen das Geschäft mit Südkorea, Indien und dem südostasiatischen Staatenbund Asean.
China nannte Nagel einen der wichtigsten, aber auch komplexesten Handelspartner Europas. Europa sei eng mit dem Land verflochten, hänge bei einigen Einfuhren aber kritisch von ihm ab und spüre die wachsende Konkurrenz der chinesischen Industrie. Ausdrücklich lobte er das in diesem Jahr vereinbarte Handelsabkommen der EU mit Indien als großen Erfolg. Auch das Abkommen mit Indonesien aus dem Vorjahr sei sehr zu begrüßen.
Chips aus Dresden und Thailand
Als Beispiele für Zusammenarbeit nannte Nagel die Halbleiterbranche. In Dresden entstehen mit dem Gemeinschaftsunternehmen ESMC neue Kapazitäten für die Chipfertigung, beteiligt ist der taiwanische Weltmarktführer TSMC. Der Staat fördere dort gezielt private Investitionen, um Lieferketten widerstandsfähiger zu machen. Zudem verwies er auf Infineon, das nahe Bangkok gerade eine neue Fabrik in Betrieb genommen habe.
Drei Hebel für Europas Wettbewerbsfähigkeit
Die stärkste Antwort auf globale Herausforderungen sei, Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, sagte Nagel. Erstens brauche Europa eine bessere Infrastruktur, darunter verlässliche und bezahlbare erneuerbare Energie sowie ausreichend Rechenkapazität und Rechenzentren für künstliche Intelligenz (KI). Zweitens müsse die Spar- und Investitionsunion bessere Finanzierung ermöglichen, damit Startups genug europäisches Risikokapital erhielten. Drittens solle Europa in kritischen Gliedern globaler Lieferketten unverzichtbar bleiben, etwa mit dem niederländischen Lithografie-Spezialisten ASML.
Eine einheitliche Strategie für Asien gebe es nicht, schloss Nagel. Offen solle Europas Wirtschaft bleiben, Vorrang hätten aber eigene Stärke im Wettbewerb und mehr Souveränität.
Kryptowerte erwähnte Nagel in Bangkok nicht. Der Bundesbank-Präsident gilt als Kritiker von Bitcoin (BTC) und lehnt die Kryptowährung als Reservewährung ab. Im August war zudem bekannt geworden, dass die Bundesregierung erwägt, Nagel als Kandidaten für den Vorsitz der Europäischen Zentralbank (EZB) zu unterstützen.










