Tether-Chef Paolo Ardoino sieht in KI-Agenten, die mit dem Stablecoin Tether (USDT) bezahlen, die Zukunft. Am Donnerstag teilte er auf X eine Ankündigung von Oobit, einem Zahlungsdienst, an dem Tether beteiligt ist. Oobit will KI-Assistenten wie Grok mit dem Stablecoin-Guthaben ihrer Nutzer einkaufen lassen. Direkten Zugriff auf das Guthaben erhalten die Assistenten dabei laut Oobit nicht.
Tether-Chef: „KI-Agenten werden künftig USDT ausgeben“

Das Wichtigste auf einen Blick
- Tether-Chef Paolo Ardoino warb am Donnerstag auf X für den Zahlungsdienst Oobit, an dem Tether beteiligt ist, und schrieb, KI-Agenten, die Tether (USDT) ausgeben, seien die Zukunft.
- Über Oobit sollen Assistenten wie Grok mit Stablecoin-Guthaben einkaufen, per Einmalkarte für jeden freigegebenen Kauf; bestätigt hat das keiner der KI-Anbieter.
- In der EU ist USDT nicht als E-Geld-Token zugelassen; die EU-Aufsicht Esma erwartet von zugelassenen Kryptodienstleistern, Dienste für solche Stablecoins einzustellen.
Für jeden Kauf eine Einmalkarte
Oobit stellte das Angebot „KI Zahlungen“ Anfang Oktober vor. Nutzer verbinden ihr Oobit-Konto mit einem KI-Assistenten. Technisch läuft das über das Model Context Protocol (MCP), einen offenen Standard, mit dem KI-Modelle externe Dienste ansprechen. Will der Assistent etwas kaufen, muss der Nutzer den Betrag im Chat bestätigen. Erst dann erzeugt Oobit eine virtuelle Karte, die nur für diesen einen Kauf gilt. Laut der technischen Dokumentation von Oobit lassen sich solche Karten über 1 bis 500 Dollar erzeugen, jede verfällt nach einer Stunde. Den Kontostand kann der Assistent abfragen, ausgeben kann er das Guthaben aber nur über die freigegebene Karte. In der Oobit-App bestätigt der Nutzer lediglich die Anmeldung.
Bezahlt wird aus dem Guthaben, das Nutzer zuvor mit Stablecoins wie USDT aufgeladen haben. Anders als Ardoinos Beitrag auf X nahelegt, gibt der Agent also streng genommen kein USDT aus, sondern zahlt mit einer Karte. Gebühren und Kartennetz nennt Oobit für die KI-Zahlungen nicht, seine Kryptokarte läuft über Visa und kostet 1 Prozent je Zahlung, mindestens 0,25 Dollar. Der KI fehle bislang nur die Fähigkeit zu bezahlen, sagte Oobit-Chef Amram Adar in der Mitteilung zum Start.
Die Einmalkarte selbst ist kein neues Prinzip. Meta etwa lässt seinen Assistenten Muse über den Dienst Link von Stripe bezahlen, der für jeden Kauf eine Einmalkarte erzeugt. Visa und Mastercard haben ebenfalls eigene Programme für Zahlungen durch KI-Agenten aufgelegt. Neu ist bei Oobit vor allem, dass Stablecoins das Guthaben speisen.
Bestätigt haben die KI-Anbieter nichts
Oobit nennt vier Assistenten. Dazu gehören Muse, der persönliche KI-Agent von Meta, und Grok Bot, die Agenten von Elon Musks KI-Firma. Hinzu kommen die Dots genannten Agenten von Openai in Chatgpt sowie der Assistent des Startups Instinct. Eine Partnerschaft hat bislang keiner der Anbieter bekanntgegeben, für die Anbindung über MCP ist sie auch nicht nötig. In Muse und Chatgpt binden Nutzer Oobit nach dessen Anleitungen selbst als zusätzlichen Dienst ein, bei Chatgpt im Entwicklermodus.
Grok Bot gibt es nur als Beta für zahlende Kunden, und das Einkaufen dort wird laut einer Anleitung von Oobit erst nach und nach freigeschaltet. Für Instinct markiert Oobit die Anbindung auf seiner Website noch mit „bald“. Die Mitteilung zum Start trägt zwar den Titel, die vier Assistenten könnten nun Stablecoins ausgeben. Im Text ist aber von einem schrittweisen Start mit ausgewählten Assistenten die Rede.
Tether ist an Oobit beteiligt
Ardoino warb mit seinem Beitrag für ein Unternehmen, an dem Tether beteiligt ist. Im Februar 2024 führte die Investmentsparte von Tether bei Oobit eine Finanzierungsrunde über 25 Millionen Dollar an. Die Höhe des heutigen Anteils ist nicht öffentlich bekannt.
Was das für Nutzer in Deutschland bedeutet
Oobit führt Deutschland, Österreich und die Schweiz unter den 74 Ländern und Gebieten, in denen der Dienst nach eigenen Angaben verfügbar ist. Eine eigene Länderliste für die KI-Zahlungen veröffentlicht das Unternehmen nicht. Muse führt Meta bislang nur in den USA ein.
Hinzu kommt der Stablecoin selbst: USDT ist in der EU nicht als E-Geld-Token zugelassen. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (Esma) erwartet seit dem 8. Oktober von zugelassenen Anbietern von Kryptowerte-Dienstleistungen (CASP), dass sie Kunden in der EU keine Dienste rund um solche Stablecoins mehr anbieten. Die Stellungnahme richtet sich an die nationalen Aufsichtsbehörden wie die Bafin und nennt keinen Stablecoin namentlich. Altbestände sollen die Behörden binnen drei Monaten bereinigen lassen, betroffen ist dabei auch die Verwahrung.
Tether ist in Europa an den Emittenten Stablr und Quantoz beteiligt, deren Stablecoins im Esma-Register der E-Geld-Token stehen. Oobit führt in seinen FAQ neben USDT auch USDC sowie die Stablecoins EURR und USDR von Stablr. Für die KI-Zahlungen nennt das Unternehmen namentlich aber nur USDT.
Offen sind zudem rechtliche Fragen. Die Deutsche Bundesbank fragte in ihrem Monatsbericht vom September, ob weitgehend autonom handelnde KI-Agenten mit den Vorgaben der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 zur starken Kundenauthentifizierung vereinbar seien. Ebenso sei die Haftung womöglich nicht vollständig geklärt, Fehler von KI-Agenten ließen sich nicht ganz ausschließen.










