Die Kryptobörse Kraken soll eine eigene Bank in der EU bekommen. Ihre Muttergesellschaft Payward hat einen Vertrag zur Übernahme der Saldo Bank aus Litauen unterzeichnet, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Über die Bank will Payward Kunden in Europa Zinsen auf Einlagen, Kredite und Kreditkarten anbieten. Deutsche Sparer kennen das Institut bereits, es verkauft hierzulande Festgeld. Der Kauf soll 2027 abgeschlossen werden, die Aufsicht muss noch zustimmen.
Kraken-Mutter Payward kauft litauische Saldo Bank

Das Wichtigste auf einen Blick
- Payward, die Muttergesellschaft der Kryptobörse Kraken, hat einen Vertrag zur Übernahme der litauischen Saldo Bank unterzeichnet; einen Kaufpreis nennen die Unternehmen nicht.
- Die Bank hat seit 2021 eine EU-Lizenz und vertreibt auch in Deutschland Festgeld; Payward will darüber Zinsen auf Einlagen, Kredite und Kreditkarten anbieten.
- Abgeschlossen werden soll der Kauf 2027, wenn die Aufsicht zustimmt; laut Financial Times übernimmt damit erstmals ein Kryptounternehmen eine Bank in Europa.
Festgeld aus Litauen für deutsche Sparer
Payward übernimmt nach eigenen Angaben die finnische Holding Saldo Finance Oy, zu der die Saldo Bank UAB gehört. Ihre Lizenz als spezialisierte Bank erhielt die litauische Tochter mit Sitz in Vilnius am 26. Oktober 2021. Laut dem Lizenzregister der litauischen Zentralbank darf sie Einlagen annehmen, Zahlungen abwickeln und E-Geld ausgeben; Wertpapierdienstleistungen sind nicht darunter. Aktiv ist die Bank in Litauen, Finnland, Schweden und Deutschland, für die Niederlande hat sie den EU-Pass.
In Deutschland nimmt Saldo Festgeld über ihre finnische Zweigniederlassung an, unter anderem über das Vergleichsportal Check24. Die Laufzeiten reichen dort von drei Monaten bis zehn Jahren, für ein Jahr gab es am Mittwoch 2,4 Prozent Zinsen. Geschützt sind die Einlagen über die litauische Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Außerdem nutzen Fintechs in Finnland und Deutschland die Kreditinfrastruktur der Bank für eigene Angebote.
Was Payward vorhat
Nach dem Abschluss will Payward Zinsen auf Guthaben zahlen, Kredite an Verbraucher und kleine Unternehmen vergeben und Kreditkarten ausgeben. Anderen Fintechs will die Gruppe Bankdienste als Infrastruktur anbieten, etwa die Ausgabe von Karten und SEPA-Zahlungen.
Der Financial Times sagte Co-Chef Arjun Sethi, viele Kunden wünschten sich Angebote wie bei einer Bank. Bargeld, Kryptowerte, tokenisierte Aktien und Kredite sollten künftig in einem System liegen, sodass Kunden ihre Bestände beleihen könnten, statt sie zu verkaufen. Die Zeitung sieht Payward als erstes Kryptounternehmen, das in Europa eine Bank kauft.
Eine Bank fehlte Payward in Europa bislang. Kraken hat seit Juni 2025 eine MiCA-Lizenz der irischen Zentralbank, von der die Gruppe außerdem eine Lizenz als E-Geld-Institut hält. In den USA hat sie nach eigenen Angaben ein Konto mit eingeschränktem Zugang bei der Notenbank Federal Reserve. Insgesamt hat Payward demnach schon Kredite über mehr als 2 Milliarden Dollar vergeben.
Gegenwind von Banken in den USA
In den USA wehren sich Banken gegen den Vorstoß von Kryptofirmen in ihr Geschäft. Die US-Behörde OCC, die nationale Banken beaufsichtigt, hat unter anderem Coinbase und Ripple vorläufig als nationale Treuhandbanken zugelassen. Eine solche Treuhandbank verwahrt Vermögen und wickelt Transaktionen ab, nimmt in der Regel aber keine Einlagen an und ist nicht über die staatliche Einlagensicherung FDIC versichert. Seit dem 1. April gilt eine neue Regel, nach der sie neben Treuhandgeschäften ausdrücklich auch andere Tätigkeiten ausüben darf; welche genau, entscheidet die Behörde im Einzelfall.
Der Verband Independent Community Bankers of America (ICBA) verklagte die Behörde am 2. Oktober vor einem Bundesgericht in Washington. Die Zulassungen seien ein Seiteneingang ins Bankensystem, über den Kryptofirmen ohne Einlagensicherung, Kapitalvorgaben und die übliche Aufsicht hineinkämen. Zudem verdränge die Zulassung viele Gesetze der Bundesstaaten, auch zum Verbraucherschutz. Die Behörde betont in ihrer Mitteilung zur Regeländerung, diese erweitere ihre Befugnisse nicht.
Eine Banklizenz in der EU umfasst dagegen gerade das Einlagengeschäft, bringt aber auch die Pflichten mit sich, deren Fehlen die US-Banken bei den Treuhandlizenzen beklagen. Banken müssen Vorgaben für Eigenkapital und Liquidität erfüllen, die Lizenz erteilt im Euroraum die EZB. Zudem müssen sie einer gesetzlichen Einlagensicherung angehören, die Guthaben bis 100.000 Euro je Kunde und Bank schützt. Mit der Zulassung in einem EU-Land können sie ihre Dienste in der gesamten EU anbieten. Payward geht diesen Weg nicht über einen Antrag, sondern kauft eine Bank, die die Lizenz schon hat.
Zum Saldo-Kauf sagte Sethi der Financial Times, es gehe nicht darum, ob das für Banken gut oder schlecht sei; man werde schlicht zu neuen Versionen von Banken, die in denselben Ländern und nach denselben Regeln arbeiteten.
Wie es weitergeht
Über den Erwerb bedeutender Beteiligungen an Banken im Euroraum entscheidet die EZB im Rahmen ihrer Bankenaufsicht, den Vorschlag dazu macht die nationale Aufsicht, hier die litauische Zentralbank. Geprüft werden unter anderem der Ruf und die Finanzkraft des Käufers sowie Risiken der Geldwäsche. Payward rechnet mit dem Abschluss im Jahr 2027. An der Einlagensicherung für Festgeldkunden ändert ein Eigentümerwechsel nichts, sie richtet sich nach dem Land, in dem die Bank zugelassen ist.















