Der Widerstand gegen das Ende der steuerfreien Haltefrist für Bitcoin wächst im Umfeld der Union. Der Wirtschaftsrat der CDU spricht sich in einem Positionspapier gegen den Gesetzentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) aus. Die Reform bringe wenig ein, verursache aber hohen Aufwand bei Finanzämtern, Unternehmen und Anlegern. Bis zu einer Neuregelung bleiben Gewinne aus Kryptowerten nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei.
Bitcoin-Haltefrist: CDU-Wirtschaftsrat gegen Reform

Das Wichtigste auf einen Blick
- Der Wirtschaftsrat der CDU lehnt den Plan von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ab, die steuerfreie Haltefrist für Bitcoin und andere Kryptowerte abzuschaffen.
- Laut Entwurf brächte die Reform 2028 insgesamt 160 Millionen Euro, für den Bund nach Rechnung des Verbands 83 Millionen; die Kosten der Umsetzung sind nicht beziffert.
- Auch Abgeordnete der Unionsfraktion stellen sich gegen die Pläne; im Kabinett lag der Entwurf am Mittwoch nicht vor, ein neuer Termin ist nicht bekannt.
Langfristige Anleger würden benachteiligt
Das Papier der Bundesarbeitsgruppe Digital Finance richtet sich gegen den Referentenentwurf des Finanzministeriums vom 30. September. Nach diesem sollen Gewinne aus Coins, die ab 2027 gekauft werden, unabhängig von der Haltedauer mit 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag belegt werden, für ältere Bestände bliebe es bei der Jahresfrist. Kurzfristige Gewinne würden damit entlastet, langfristige Gewinne aus neu gekauften Coins verlören ihre Steuerfreiheit, argumentiert der Wirtschaftsrat. Bestraft würden gerade Sparer, die Kryptowährungen für die Altersvorsorge halten.
Kritik übt der Verband auch an Details. Der neue Begriff „Tauschkryptowerte“ kläre nicht vollständig, wie verschiedene Arten von Kryptowerten unterschieden würden und wer darüber entscheide. Zudem sehe der Entwurf keine ausdrückliche Ausnahme für den Tausch eines Kryptowerts in einen anderen vor, obwohl dabei kein Euro fließe. Fehlende Kaufbelege, eigene Wallets, ausländische Börsen und dezentrale Anwendungen bedeuteten enormen Mehraufwand für die Finanzämter, deren Kosten vor allem die Länder trügen. Generalsekretär Wolfgang Steiger kritisiert, dass bei der Reform „Aufwand und erwarteter Ertrag in keinem überzeugenden Verhältnis“ stehen.
Der Wirtschaftsrat ist ein Unternehmerverband, der der CDU nahesteht. Nach eigenen Angaben ist er rechtlich selbstständig und keine Parteiorganisation.
Wenig Einnahmen, unbezifferte Kosten
Für 2028 veranschlagt der Referentenentwurf laut einer Aufstellung in der Fachzeitschrift Der Betrieb Mehreinnahmen von insgesamt 160 Millionen Euro, bis 2031 sollen Bund, Länder und Gemeinden zusammen bis zu 350 Millionen Euro im Jahr einnehmen. Auf den Bund entfallen 2028 nach Rechnung des Wirtschaftsrats 83 Millionen Euro, rund 0,02 Prozent seiner geplanten Steuereinnahmen von 406,4 Milliarden Euro. Die Finanzplanung des Bundes weist für 2028 zugleich eine Lücke von rund 22 Milliarden Euro aus.
Den Erfüllungsaufwand, also die Kosten der Umsetzung für Bürger, Unternehmen und Verwaltung, beziffert der Entwurf noch nicht. Der Verband hält es für möglich, dass diese Kosten die Mehreinnahmen aufzehren oder sogar übersteigen.
Bei einer Regel präzisieren Fachleute die Darstellung des Wirtschaftsrats. Wer den Kaufpreis nicht belegen kann, bei dem würden laut Papier pauschal 50 Prozent des Verkaufspreises als Grundlage der Besteuerung herangezogen. Nach der Analyse der Steuerberatungsgesellschaft Ebner Stolz gilt der Coin in diesem Fall als nach 2026 gekauft, und der Steuerabzug bemisst sich nach der Hälfte des Erlöses. Diesen Abzug sollen inländische Kryptodienstleister ab 2028 vornehmen. Eine endgültige Gewinnfiktion seien die 50 Prozent aber nicht, schrieb Rechtsanwalt David Hötzel zu einer früheren Fassung des Entwurfs im Steuerboard der Fachzeitschrift Der Betrieb.
Widerspruch auch aus der Unionsfraktion
Mit seiner Kritik steht der Wirtschaftsrat nicht allein. Georg Günther, Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion für das Thema, sagte Anfang Oktober im Interview mit der Börsen-Zeitung, er sehe keinen überzeugenden Grund für einen Systemwechsel. Die Union lehne sowohl eine pauschale Abgeltungsteuer auf Kryptogewinne als auch das Aus der Haltefrist ab. Der CDU-Abgeordnete Stefan Glaser schrieb am Donnerstag auf Abgeordnetenwatch, eine schärfere Besteuerung von Kryptowerten sei im Koalitionsvertrag nicht vereinbart.
Zudem verstoße der Entwurf erneut gegen die Zusage von CDU und CSU, auf neue Steuern zu verzichten, heißt es im Papier. Ausdrücklich steht eine solche Zusage im Koalitionsvertrag von Union und SPD nicht. Er nennt Steuersenkungen als Ziel und stellt alle Vorhaben unter Finanzierungsvorbehalt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte im August 2025 dennoch erklärt, Union und SPD hätten vereinbart, die Steuern nicht zu erhöhen, wie das ZDF in einem Faktencheck festhielt.
Das Finanzministerium verteidigt die Pläne. Ihm gehe es um eine rechtssichere Einordnung und gerechte Besteuerung, Kryptowerte ähnelten eher Kapitalanlagen, sagte ein Vertreter am Montag im Petitionsausschuss, wie der Pressedienst des Bundestags berichtet. Der Ausschuss beriet dort eine Petition für den Erhalt der Haltefrist, die 44.439 Menschen unterstützen.
Wie es weitergeht
Eigentlich sollte das Kabinett nach Medienberichten am Mittwoch über den Entwurf beraten, doch der Beschluss verzögert sich. Auf der Ergebnisliste der Sitzung fehlte er, die Abstimmung zwischen den Ministerien läuft noch. Für einen Start zum 1. Januar 2027 müssten danach Bundestag und Bundesrat zustimmen. Nach der heutigen Sitzung tagt die Länderkammer in diesem Jahr nur noch am 20. November und am 18. Dezember.















